Kommentar zum Anti-Lockdown-Papier von Streeck & Co.

‪Niemand will und würde behaupten, dass die Inhalte des vorgestellten Anti-Lockdown-Strategiepapiers völliger Blödsinn sind! Mitnichten, die Ansätze sind durchaus nachvollziehbar und der ein oder andere Punkt könnte Teil einer zukünftigen Strategie werden.

Trotzdem ist Kritik an dem Papier mehr als angebracht, denn gerade die Art und der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist mehr als kontraproduktiv, die resultierende Wirkung nach außen mehr als gefährlich.

Überhaupt sind einige Dinge, die Herr Streeck in den letzten Wochen macht unvernünftig und gefährlich und geben Anlass zur Kritik.

Er befeuert mit seinen Aussagen immer wieder diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten und somit dafür auch verantwortlich sind, dass die Dinge gerade wieder aus dem Ruder laufen.

Genau diejenigen, die offenbar zu keinerlei Verantwortung sich selber und anderen gegenüber bereit sind berufen sich nämlich auf seine Forderung nach mehr Eigenverantwortung im Umgang mit dem Virus.

Eigenverantwortung müssten alle zeigen

Das dies in Deutschland offenbar nicht funktioniert sieht man aber gerade wieder sehr deutlich, es funktioniert übrigens leider fast nirgendwo.

Noch fataler sieht man es jetzt schon in den Niederlanden und Belgien, die bereits über ihre Kapazitäten an Intensivbetten hinaus sind. Dort wurde viel zu lange auf die Vernunft der Bevölkerung gesetzt.

Eigenverantwortung funktioniert traurigerweise nicht, weil eine kleine Menge Menschen offenbar nicht in der Lage ist die Gesamtsituation zu verstehen und dementsprechend zu agieren.

Leider ist die Menge zwar klein, aber doch zu groß um die Situation im Griff zu halten. Von daher sind die Regeln und deren konsequente Um- und Durchsetzung nötig.

Sicherlich sind nicht alle Regeln immer gleich nachvollziehbar, vielleicht manche auch zu viel und manche zu wenig, aber irgendwo muss man anfangen und aufhören.

‬Preis der Schulöffnung könnte teuer werden

‪Man muss sich eher noch die Frage stellen, ob die Schulen und KiTas nicht auch geschlossen werden müssten. Die Erfahrung in anderen Ländern bereits gezeigt, dass von dort das Virus weiter nach Hause und breitflächig in die Gesellschaft reingetragen wird. Es ist zu befürchten, dass es mit unserem Konzept alle 20 Minuten zu lüften hier nicht getan ist.

Man hofft natürlich in diesem Punkt Unrecht zu haben, aber die Befürchtung ist nicht abwegig, das ein entscheidender Mosaikstein fehlt, um die zweite Welle richtig zu brechen!‬

Leider fehlt an diesem Punkt aber auch der breite gesellschaftliche Konsens die Kinderbetreuungseinrichtungen ebenfalls für vier Wochen zu schließen.

Gerade hat eine neue Studie aus Bayern gezeigt, dass bislang viel mehr Kinder mit Corona infiziert waren, als bekannt war. Hier handelte es sich um Zufallsfunde bei einer Diabetes-Studie. Man spricht von sechsmal mehr Infizierten, viele asymptomatisch, aber diese können trotzdem Überträger sein.

In Bayern waren sechsmal mehr Kinder mit Corona infiziert als vom Amt gemeldet — fanden Forscher durch Zufall heraus

https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/corona-antikoerpertest-viel-mehr-kinder-positiv-als-von-amt-gemeldet-bayern-zufallsfund/

Somit lassen wir womöglich einen der kontaktintensivsten Orte wie die Schule auf, der in anderen Ländern maßgeblich zur Ausbreitung beigetragen hat. Eigentlich keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass in allen Klassen deutlich mehr zusammensitzen, als es jetzt noch an anderer Stelle erlaubt ist.

„Niemand weiß, ob es richtig war, die Schulen zu öffnen. Bei diesem Thema betreten wir Neuland. Natürlich ist es jetzt einfach, sich hinzustellen und zu sagen, wir hätten das nicht tun sollen. Israel war eines der ersten Länder, die die Schulen geöffnet haben. Und wir zahlen nun einen Preis. Ob es ein angemessener Preis ist, das weiß ich noch nicht.“

Kommentar aus Israel

Schulen, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen keine Treiber?

Dann kommen natürlich die Kritiker und sagen es wäre unverhältnismäßig die Schulen, die Gastronomie und die Freizeitenrichtungen zu schließen. Sogar laut Angaben des RKI waren diese in KW 43 – bei schon stark steigenden Zahlen – nur ein kleiner Block bei den bekannten Infektionsorten. Der größte Block ist hier der private Haushalt.

Das ist zwar richtig, allerdings bedarf es bei der Deutung noch eines zweiten Blickes auf diese Statistik. Zum einen ist es leider oft gar nicht nachvollziehbar, wo man sich wirklich angesteckt hat, wenn es nicht im eigenen Haushalt war. Weiß jemand noch genau, was er vor fünf Tagen gemacht hat. War man vielleicht irgendwo zufällig zu lange mit jemanden zusammen in einem Restaurant, der sich selber noch gut fühlte, aber bereits infektiös war. Wer weiß das schon noch?

Aber der weitere entscheidende Punkt ist doch noch ein anderer, wo kommt das Virus denn her, wenn man sich dann im eigenen Haushalt ansteckt? Das Virus plumpst ja nicht so einfach durch die Decke in die eigenen vier Wände hinein, es wird immer von draußen irgendwo herein getragen. Das dann der Block von Ansteckungen im eigenen Haushalt, wo der Kontakt ja wahrscheinlich so intensiv wie möglich ist, am größten ist, das ist auch keine Überraschung.

Von daher gilt es das Eintrittstor von außen durch den Lockdown zu schließen, die Kontakte außerhalb müssen auf ein Minimum reduziert werden.

Mathematische Modelle zeigten bereits im Frühjahr eindrucksvoll, wie wirksam eine Reduktion der Kontakte sich auf das Infektionsgeschehen auswirkt.

Anti-Lockdown - Modellrechnungen

Modellrechnung von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation zur Wirkung von Kontaktreduktion zur Pandemie-Bekämpfung

‪Blick auf die Infektionszahlen

Aber nochmal zurück zu Herrn Streeck und seine Aussagen aus der letzten Zeit. Unglücklich war auch die vor kurzem getätigte Aussage „Wir dürfen nicht nur auf die Infektionszahlen gucken!“, die war auch irgendwie unnötig.

Erstens gucken die Fachleute und interessierte Menschen nicht nur auf die Infektionszahlen, sondern auch auf andere Kennzahlen.

Trotzdem ist unbestreitbar die Zahl der Infizierten der erste wichtige Wert in der Kette. Sie ist ein erster Indikator dafür wohin die Reise in zwei, vier und sechs Wochen geht.

Ein gewisser Prozentsatz der Infizierten wird krank, ein gewisser Prozentsatz muss ins Krankenhaus, ein gewisser Prozentsatz auf die Intensivstation und am Ende stirbt davon auch gewisser Prozentsatz.

Diese stecken alle in der ersten Zahl der Infizierten drin, von daher ist auch diese Zahl wichtig. Mit solchen Aussagen, verharmlost Streeck die Zahl der Infizierten, ob gewollt oder ungewollt sei mal dahingestellt, aber die Wirkung einer solchen Aussage ist entscheidend und die ist Mist!

Sie wird von den CovIdioten als Legitimation für ihre Ansichten verwendet, weil die offenbar keinen Deut weiter denken als von der Wand bis zur Tapete!‬

Hoffen auf die Wirkung

Über Teile des Anti-Lockdown-Papiers und deren realistische Umsetzung kann man, ja muss man sogar nachdenken. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist eine erneute Vollbremsung unausweichlich, wie der Blick auf andere Länder zeigt.

Die aktuellen Fragen sind eher, war die Vollbremsung vielleicht schon ein bis zwei Wochen zu spät, um den Super-GAU bei der Belegung der Intensivbetten zu verhindern? Reichen die Maßnahmen oder ist das Offenhalten der Schulen und KiTas der entscheidende Schwachpunkt, die zum einem Bremsversagen führen?

Die Zeit wird es zeigen und wir müssen alle das Beste hoffen. Um die Dynamik abzubremsen ist der Lockdown aktuell aber das mit mehr Ausschicht auf Erfolg scheinende Mittel, als der Anti-Lockdown.

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Quelle Schlaunews.de – Infos, Tipps, Tricks

Kommentar zur Corona-Lage des Tages vom 15.10.2020

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