Universität oder Fachhochschule – so entscheidest Du Dich richtig

Universität oder Fachhochschule: Welche Hochschule passt zu Dir?

Hat man gerade sein Abitur in der Tasche, stellt sich nicht nur die Frage, welches Fach man studieren möchte, sondern auch, an welcher Hochschule: staatliche oder private Hochschule, Fachhochschule, Universität – oder gar Fernuniversität?

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Dabei ist es nicht einfach, sich in Deutschlands Hochschullandschaft zurechtzufinden. Die größten Universitäten in Köln, München, Berlin oder Frankfurt am Main sind vielen noch bekannt. Aber kennst Du auch die Hochschule für Kirchenmusik Herford, die Lutherisch Theologische Hochschule Oberursel oder die private Wilhelm-Löhe-Hochschule (WLH) in Fürth? Jede noch so kleine Ortschaft scheint mittlerweile eine Universität oder Fachhochschule zu haben.

Wie soll man sich da entscheiden? Gibt es qualitative Unterschiede in der Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen, privaten und staatlichen Hochschulen? Welche Art der Hochschule passt am besten zu Dir? Befreie Dich von gängigen Vorurteilen mit folgenden Hinweisen und werfe einen genaueren Blick auf die unterschiedlichen Hochschultypen.

Deutschlands Hochschulen in Zahlen

Zuerst zu den Fakten: Wie sieht die Hochschullandschaft in Deutschland aus? Gibt es mehr Fachhochschulen oder mehr Universitäten? Für welchen Typus Hochschule entscheiden sich deutsche Abiturienten?

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht hierzu regelmäßig aktuelle Zahlen (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Hochschulen/Hochschulen.html): Demnach studierten im Wintersemester 2016/2017 rund 1.745.000 Studenten an deutschen Universitäten und rund 956.000 an deutschen Fachhochschulen. Der Anteil an Studierenden privater Hochschulen beträgt dabei lediglich rund sechs Prozent – steigt aber seit ein paar Jahren stetig an. Überraschenderweise gab es im Wintersemester 2016/2017 in Deutschland aber doppelt so viele Fachhochschulen (216) wie Universitäten (106).

Diese Zahlen verraten uns schon mal das, was viele Fachhochschüler längst wissen: An Fachhochschulen geht es ein wenig gemütlicher zu. Während man in so mancher Universität weder Seminar- noch Sitzplatz bekommt, herrscht in Deutschlands Fachhochschulen Schulklassen-Atmosphäre. Oder ist das wieder nur ein Klischee?

Universität versus Fachhochschule

Welche ist denn nun die bessere Hochschule – Universität oder Fachhochschule? Lässt sich diese Frage überhaupt so einfach beantworten? Nimm Dir die drei gängigsten Vorurteile unter die Lupe:

FH-Studenten sind Praktiker, Uni-Studenten Theoretiker

Während man in der Uni stundenlang Skripte durchblättert, tüfteln Fachhochschul-Studenten in Laboren und Werkstätten an den Zukunftstechnologien von morgen? Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Tatsächlich sind aber die Studienfächer an Fachhochschulen stärker auf die Arbeitswelt zugeschnitten. Frühzeitig lernen FH-Studenten in Praxissemestern, die erlernte Theorie in der Praxis anzuwenden. Oft besteht ein gut funktionierendes Netzwerk zwischen einer Fachhochschule und umliegenden Unternehmen, von dem die Studenten profitieren.

Auch Uni-Absolventen sind aber keine reinen Theoretiker. Hier hat die Politik längst erkannt, wie wichtig es ist, bereits frühzeitig einen Bogen zwischen Ausbildung und späterem Beruf zu spannen. Mit Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge wurde vor allem in den Geisteswissenschaften diesem Anspruch vermehrt Rechnung getragen.

Fachhochschule kann doch jeder

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig: Wer ein schlechtes Abi hat oder nur ein Fachabitur geht an die Fachhochschule. Gymnasiasten mit guten Noten studieren an einer Universität.

Hier muss genau differenziert werden. Den Begriff „Fachabi“ gibt es streng genommen in Deutschland gar nicht. In Deutschland kann man eine sogenannte Allgemeine Hochschulreife, eine Fachgebundene Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife erwerben. Allgemeine Hochschulreife und Fachgebundene Hochschulreife berechtigen zu einem Studium an Universitäten und Fachhochschulen. Mit einer Fachhochschulreife kann man nur in wenigen Ausnahmefällen an einer Universität studieren.

Bleibt festzuhalten: Als angehender Student mit Allgemeiner Hochschulreife oder Fachgebundener Hochschulreife hat man die größte Auswahl – theoretisch. Wäre da nicht die Sache mit dem Numerus Clausus (NC). Denn wider Erwarten sind die Zulassungsbeschränkungen an Fachhochschulen zum Teil deutlich strenger als an Universitäten. Den Grund dafür kennst Du bereits: Fachhochschulen nehmen deutlich weniger Studenten auf als Universitäten.

Dass man für ein Fachhochschulstudium keine guten Noten braucht, stimmt also leider nicht. Die Höhe des NC wird nicht durch die Art der Hochschule bestimmt, sondern durch das Verhältnis von Anzahl der Studienplätze zu Bewerbern.

Uni-Absolventen verdienen mehr

Eine gute Nachricht vorweg: Ein Hochschulabschluss ist immer ein Jobgarant – ob Uni oder FH. Eine 2016 veröffentlichte Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ergab, dass rund 90 Prozent aller deutschen Hochschulabsolventen innerhalb von fünf Jahren erwerbstätig sind.

Die Studie kam jedoch auch zu einem überraschenden Ergebnis: Nach fünfjähriger Berufstätigkeit verdienten die Teilnehmer der Studie mit einem FH-Abschluss rund 47.700 Euro brutto pro Jahr, während Teilnehmer mit einem Universitätsabschluss im Durchschnitt nur 41.550 Euro verdienten. Dies ist allerdings damit zu begründen, dass an Fachhochschulen häufig technische Fächer angeboten werden, bei denen die Absolventen später generell höhere Gehälter zu erwarten haben. Andere Erhebungen zeigen: Auf das Studienfach und die Abschlussnote kommt es an, nicht auf die Art der Hochschule.

Bildung gegen Bares: Lohnt sich eine private Hochschule?

Lohnt es sich für die eigene Ausbildung eine Stange Geld in die Hand zu nehmen und an einer renommierten privaten Hochschule zu studieren? Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lässt sich diese Frage kaum beantworten, denn niemand weiß mit Sicherheit, wie viel Geld er später verdienen wird – unabhängig von der Qualität der Ausbildung.

Das Studium an einer privaten Hochschule bietet jedoch einige Vorteile:

Bessere Ausstattung, zum Beispiel bei Technik und Lehrmaterialien
Weniger Studenten und damit einen engeren Kontakt zu Dozenten und Professoren
Andere Zulassungsvoraussetzungen, bei denen es teilweise weniger auf die Note als auf die Eignung ankommt
Gut organisiertes Studium, das häufig zu einer kürzeren Studiendauer führt
Geringe Abbruchraten
Spezielle Studiengänge für Berufstätige
Eine enge Vernetzung mit der Wirtschaft, die zu guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt und hohen Einstiegsgehältern führt

Der Nachteil einer privaten Ausbildung sind die vergleichsweise hohen Kosten. Durchschnittlich 520 Euro pro Monat kostet ein Studium an einer privaten Hochschule in Deutschland. Hinzu kommen natürlich die Lebenserhaltungskosten.

Studium in Eigenregie: Studieren an einer Fernuniversität

Ein Fernstudium stellt besondere Herausforderungen an die Motivationsfähigkeit und Disziplin eines Studierenden. Es ist praktisch ein Studium in Eigenregie. Jeder lernt den vorgegebenen Stoff selbstständig von zuhause aus und tritt dann ein Mal pro Semester zu den Abschlussprüfungen an. Der Kontakt mit Professoren und anderen Lehrkräften beschränkt sich auf das Internet.

Viele nutzen eine Fernuniversität für ein Zweitstudium oder für ein Studium neben dem Job. Der größte Vorteil einer Fernuniversität liegt schließlich in der zeitlichen Flexibilität.
Außerdem ist ein Studium an einer Fernuniversität oft günstiger als ein Präsenzstudium.

Studieren mit Gehalt: Duales Studium

Geld verdienen und gleichzeitig studieren? Auch das ist möglich. Bei einem Dualen Studium
wechseln sich klassische Vorlesungszeiten mit praktischen Einsätzen in Unternehmen ab. Das Unternehmen, für das Du in Deinen Praxiseinsätzen tätig bist, zahlt Dir dafür ein regelmäßiges Gehalt. Das hat natürlich den Vorteil, dass Du Dir während Deines Studiums keine Sorge um Geld machen musst. Ein weiterer positiver Aspekt kommt hinzu: Du kannst Dir schon frühzeitig ein Netzwerk aufbauen und hast die besten Chancen, im Anschluss an Dein Studium direkt in eine Festanstellung übernommen zu werden.

Bei aller Euphorie solltest Du im Hinterkopf behalten, dass ein Duales Studium auch eine doppelte Belastung bedeutet. Du verzichtest auf Semesterferien und bekommst stattdessen 25 bis 30 Tage Urlaub. Du bindest Dich bereits in einem sehr frühen Stadium Deiner Ausbildung an ein Unternehmen, ohne dass Du Dir sicher sein kannst, ob Du Dich dort am Ende Deines Studiums noch siehst.

Ein Duales Studium ist daher ideal für angehende Studenten, die gerne langfristig planen und Wert legen auf Sicherheit und Stabilität. Wer sich noch ein wenig treiben lassen und hier und da mal ein Auslandssemester einlegen möchte, oder sich mit der Wahl des Studienfaches nicht so sicher ist, sollte davon die Finger lassen.

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