Sennalper Peter Ritter bereitet sich in der Abgeschiedenheit der Allgäuer Alpen auf die Käse-Olympiade vor

Sennalper Peter Ritter bereitet sich in der Abgeschiedenheit der Allgäuer Alpen auf die Käse-Olympiade vor Schlappholdalpe bei Oberstdorf: Auch auf Deutschlands höchster Sennalpe sind nun die Kühe angekommen

Oberstdorf. Eine Sennalpe ist eine landwirtschaftlich genutzte Fläche in den Alpen mit Käseproduktion: Auf der deutschlandweit höchsten, der auf rund 1750 Metern Höhe gelegenen Schlappholdalpe nahe Oberstdorf im Oberallgäu, ist nach einer langen Winterpause nun wieder Leben eingekehrt. Nachdem Schnee und Eis weggetaut sind, konnten Sennalper Peter Ritter und insgesamt 80 Kühe Ende Juni auf das abgelegene Sommerlager ziehen. In diesem Jahr hofft Ritter auf einen besonders guten Bergsommer und viele würzige Kräuter: Mit seinem vor Ort hergestellten Käse wird Ritter an der bevorstehenden 5. Käse-Olympiade in Oberstdorf (26. bis 28. Oktober 2007) für Deutschland starten. Die Konkurrenz ist groß: Insgesamt werden Alpsenner aus zehn Ländern erwartet, die mit mehr als 400 Käsesorten in den einzelnen Kategorien antreten.

Der Tag beginnt für Ritter und seine Helfer – einen Hirten, eine Melkerin und einen so genannten Beisenn – früh: Um 4.30 Uhr am Morgen holen sie die insgesamt 80 Kühe erstmals zum Melken von der insgesamt 250 Hektar großen Weide in den Stall. „Ab 5.30 Uhr wird gemolken, danach werden die Tiere erneut nach draußen getrieben“, berichtet Ritter. Den Vormittag verbringt er dann die meiste Zeit vor großen Kupferkesseln und stellt aus Milch, dem Rohstoff, Weich- und Hartkäse sowie Butter her. Am Abend, gegen 17.30 Uhr, werden die Kühe erneut in den Stall gebracht und gemolken. Rund drei Monate lang halten sich Ritter und seine Helfer an diesen Tagesrhythmus. Am 21. September, am Matthäustag, bringen die Alpsenner die Kühe wieder ins Tal, wo der Alpabtrieb und der Viehscheid gewöhnlich mit einem Volksfest gefeiert werden. Bis dahin entsteht jeden Tag original Allgäuer Bergkäse von der Schlappholdalpe.

In dieser Bergsaison stellt Ritter ganz besonderen Käse her, sozusagen Olympiakäse. Ein kleiner Teil, der voraussichtlich insgesamt 350 Laib Käse, wird im Oktober ganz besonders unter die Lupe genommen. Eine fachkundige Jury wird die verschiedenen Käsesorten von der Schlappholdalpe prüfen und unter anderem nach Geschmack, Aussehen und Duft bewerten. Während der Wettkampftage werden die wohlschmeckenden „Olympiateilnehmer“ sachgerecht im Milchwerk Sonthofen kühl gehalten. Diesmal sind die Startbedingungen für Ritter ausgezeichnet: Er war bereits einmal bei der internationalen Veranstaltung erfolgreich und gilt als Mitfavorit für einen Titel. Auch auf einen Heimvorteil setzen. Hinzu kommt das Kräutergras, das auf seiner Alpe wächst und eine eigene Rezeptur, die selbstverständlich geheim ist: „Ich stelle den Käse nach alter Tradition her und verwende ausschließlich Laab von Kälbermägen, keine gekauften Kulturen“, soviel verrät der Käseexperte.

Kühe mit Hörnern und Allgäuer Kräutergras

Außerdem legt Ritter großen Wert auf die Kühe selbst. Keine seiner Tiere sei überzüchtet und gebe deshalb auch nicht mehr als 6.000 Liter Milch pro Jahr. Zudem hat bei Ritter noch jede Kuhr Hörner. Bei einer hornlosen Kuh sei die Milchstruktur anders: „Eine Kuh ohne Hörner ist wie ein Radio ohne Antenne“, sagt der 48-Jährige. Die hervorragende Qualität des Käses hat sich herumgesprochen, die Schlappholdalpe ist bei Bergwanderern ein beliebtes Ausflugsziel. Wie die anderen Alpsenner hat sich auch Ritter auf sie eingestellt. Bei einer defitgen Käsebrotzeit mit Schinken, Brot und einem kühlen Getränk össen die Gäste auf der Schlappholdalpe neue Kraft tanken. Manchmal dürfen die Besucher dem ruhigen Senner auch bei der Herstellung seines Käses zuschauen oder einen Blick in den Käsekeller werfen. Wenn alles nach Plan verläuft, wird Ritter auch in dieser Saison genug von seinen Käsespezialitäten produzieren. Pro Sommer entstehen auf der Alpe rund insgesamt rund 10.000 Kilo Käse. Für die Urlauber bietet er sogar einen Lieferservice an.

Trotz der Abgeschiedenheit der Alpe besteht persönlicher Kontakt zu den Menschen im Tal, die ihrem Olympiateam die Daumen drücken: „Einmal pro Woche geht einer von uns zum Einkaufen“, so der Alpsenner. In Oberstdorf laufen schon längst die Vorbereitungen für die Käse-Olympiade, denn nicht nur die verschiedenen Käselaibe sollen olympiareif sein, auch der Ort will sich so drei Tage lang vor einem internationalen Publikum präsentieren und lockt mit einem bunten Programm: Rund um den Oberstdorfer Kirchturm sollen 55 Hütten eine Art Olympisches Dorf bilden. Außerdem ist ein großer Festumzug durch den Ort geplant. Nicht nur für Käsefans wird „Deutschlands größtes Käse-Buffet“ aufgebaut. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 50.000 Besuchern, die an dem Spektakel teilhaben wollen.

Die Gesamtkosten für die Veranstaltung teilen sich Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA), die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft, das Bundeslandwirtschaftsministerium, das bayerische Landwirtschaftsministerium, der Landkreis Oberallgäu und der Markt Oberstdorf. 2009 wird die Käse-Olympiade in der Schweiz ausgetragen.

(Internet: www.oberstdorf.de, www.kaeseolympiade.de)

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HaukMedienArchiv
Alexander Hauk
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www.allgaeu-nachrichten.de

Der bekannte Allgäuer Käse ist aus einer Not heraus entstanden: Die industrielle Revolution und die Erfindung des mechanischen Webstuhles zu Beginn des 19. Jahrhunderts trieben die Menschen in der heutigen Ferien- und Torusmusregion in die Armut, denn durch die Konkurrenz der billigen Baumwolle war die Leinenweberei nicht mehr wettbewerbsfähig. Den Grundstein für das wirtschaftliche Überleben der verarmten Allgäuer Bauern legte Carl Hirnbein (1807-1872). Der Allgäuer brachte die Weichkäserei und damit den wirtschaftlichen Aufschwung in die bis dahin von Viehzucht und Flachsanbau geprägte Region. Schon bald handelte der „Notwender“ in ganz Deutschland erfolgreich mit Limburger und Romadur aus dem Allgäu. In fast jeder Ortschaft gründeten die Bauern Sennerei- oder Käseeigenossenschaften, in denen die Milch gemeinsam verarbeitet und vermarktet wurde. Heute gibt es im Allgäu noch 675 Alpen mit rund 30.000 Rindern, die Milch für den Käse liefern.

Quelle (openPR)

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