Kostenexplosion bei Arzneimitteln: Nie da gewesen, nicht zu befürchten

Kostenexplosion bei Arzneimitteln: Nie da gewesen, nicht zu befürchten

(Mynewsdesk) „Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel liegen seit Jahren konstant bei rund einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes“, so Dr. Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) im Vorfeld der Veröffentlichung des Arznei-Verordnungsreportes (AVR) der AOK. „Eine Kostenexplosion ist weder historisch nachzuweisen noch in Zukunft zu befürchten.“ Aktuelle Prognosen europäischer Wissenschaftler sprechen sogar dafür, dass die Arzneimittelausgabenanstiege in fünf vergleichbaren EU-Ländern inklusive Deutschland deutlich geringer sein werden, als angenommen.

Die internationale Forschergruppe hat sich die Entwicklung der Listen und Nettopreise (Abzüglich aller Abschläge) für Arzneimittel in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und UK angeschaut und Prognosen zur Ausgabenentwicklung überprüft. Dabei kam heraus, dass mit geringeren Ausgabenanstiegen gerechnet werden muss, als angenommen, da die Prognosen nur den meist fiktiven Listenpreis zugrunde legen. So liegt die für 2017 bis 2021 prognostizierte durchschnittliche Steigerungsrate (CAGR) für die untersuchte Ländergruppe statt bei 2,9 Prozent nur bei 1,5 Prozent; in Deutschland allein betrachtet bei nur 2,0 Prozent statt 3,2 Prozent. „Das sollte Politiker aufhorchen lassen”, sagt Gerbsch. „Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel liegen bei rund 17 Prozent der Gesamtausgaben. Auf die pharmazeutische Industrie entfallen nur etwa 8 Prozent, für alle Arzneimittel in der ambulanten Versorgung. Gemessen an deren enormen therapeutischen Stellenwert, ist das kein hoher Anteil.“

Statt ordnungspolitischer Zumutungen von ausufernden Rabattverträgen über verordnungssteuerndem Arztinformationssystem bis hin zum Preismoratorium sollte der finanzielle Spielraum für die Versorgungssicherheit genutzt werden. Gerbsch: „Noch haben wir in Deutschland eine erstklassige Arzneimittelversorgung. Aber die Rahmenbedingungen werden für die Hersteller immer schwieriger.“

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