Allzu frühe sexuelle Aktivitäten bei Teenagern haben viele Ursachen / Studie empfiehlt Einsatz an allen Fronten
Zuviel Fernsehkonsum, geringes Selbstbewusstsein, ein schlechtes Verhältnis zu den Eltern und ein niedriger Bildungsstand - all dies sind Faktoren, die dazu führen können, dass junge Leute schon sehr früh, vor dem 15. Lebensjahr, Sex haben. Der positive Einfluss der Eltern wiederum kann viel dazu beitragen, riskantes Sexualverhalten einzudämmen - so das Ergebnis einer Studie von Myeshia Price und Dr. Janet Hyde von der University of Wisconsin in den Vereinigten Staaten, die gerade in der Online_Ausgabe im Springer-Journal Journal of Youth and Adolescence veröffentlicht wurde.
Junge Leute, die schon vor dem 15. Lebensjahr sexuell aktiv sind, tun dies oft ohne sich ausreichend zu schützen. Dadurch steigen das Risiko von Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften. Amerikanische Behörden für Gesundheitskontrolle und Vorsorge (Centers for Disease Control and Prevention) stellten im Jahr 2006 fest, dass 750.000 Schwangerschaften und fast die Hälfte aller Neuinfektionen sexuell übertragbarer Krankheiten Heranwachsenden zugeschrieben werden mussten.
Auf der Suche nach Wegen, zu frühen Sex bei Heranwachsenden einzudämmen, befassten sich Price und Hyde mit einer Kombination aus persönlichen, familiären und soziokulturellen Faktoren, die zu frühen sexuellen Aktivitäten führen können. Insgesamt nahmen 273 Heranwachsende im Alter zwischen 13 und 15 (146 Mädchen und 127 Jungen) an der Wisconsin Study of Families and Work teil. Sie beantworteten Fragen zu Sexualverhalten, Pubertät, Bildungsstand, Selbstbewusstsein, Depressionen, sportlichen Aktivitäten, ADHS- (Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung) und ODD- (Oppositionelle Aufbegehrungsstörung) Symptomen, Familienstruktur und Verhältnis zu den Eltern wie auch Konfrontation mit Sexualität durch die Medien.
Von den 273 Heranwachsenden hatten 15 Prozent frühe sexuelle Erfahrungen - Geschlechtsverkehr bzw. Oralsex. Mädchen, die bereits vor dem 15. Lebensjahr sexuell aktiv waren, verbrachten mehr Zeit vor dem Fernseher, hatten ein geringeres Selbstbewusstsein, ein eher schlechtes Verhältnis zu den Eltern, lebten entweder bei einer alleinerziehenden Mutter oder einem Stiefelternteil, zeigten ADHS-Symptome und waren schlecht in der Schule. Die Jungen mit frühen sexuellen Erfahrungen waren mitten in der Pubertät, sahen häufiger fern, hatten ein geringeres Selbstbewusstsein, zeigten ADHS- oder ODD-Symptome und hatten ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern.
Je mehr Risikofaktoren vorlagen, umso wahrscheinlicher kam es zu frühen sexuellen Erfahrungen, wobei sich der Faktor Fernsehkonsum besonders gravierend auswirkte. Im Vergleich zu einem Heranwachsenden ohne Risikofaktoren war die Wahrscheinlichkeit sexueller Erfahrungen vor dem 15. Lebensjahr bei jungen Leuten mit drei der genannten Punkte fünfmal so hoch. All diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Interventionsprogramme, die das Ziel haben, erste sexuelle Erfahrungen hinauszuzögern, wahrscheinlich eher greifen, wenn sie mehrere Faktoren angehen.
Die Studie macht auch deutlich, dass Eltern bei der Frage früher sexueller Erfahrungen durchaus Einfluss nehmen, die Autoren empfehlen daher, “Präventivmaßnahmen nicht nur Lehrern und Beratungsstellen zu überlassen, sondern die Eltern miteinzubeziehen. Eine positive Einflussnahme durch die Eltern, im Verbund mit umfassenden Bildungsprogrammen, ist möglicherweise der beste Weg, allzu frühen sexuellen Aktivitäten Heranwachsender entgegenzuwirken.”
Quelle:
1. Price MN & Hyde JS (2008). When two isn’t better than one: predictors of early sexual activity in adolescence using a cumulative risk model. Journal of Youth and Adolescence; DOI 10.1007/s10964-008-9351-2
Ansprechpartner:
Frau Joan Robinson
Springer
Telefon: +49 (6221) 487-8130
Fax: +49 (6221) 487-8691
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