Telefonieren, Web-Surfen und Fernsehen über das Internet zählen als Bündelangebot zu den Wunderwaffen der Telekommunikationsbranche. Triple Play wird das von Branchenvertretern im Fachjargon genannt. So will die Telekom nicht nur 145 Fernsehkanäle anbieten, sondern auch einen virtuellen Videorecorder und eine Art Videothek im Netz. Wer sich für das Paket Comfort Plus samt Bundesliga entscheidet, muss monatlich satte 85 Euro an die Telekom überweisen. Bis zu 200.000 Abonnenten will der Ex-Monopolist nach einem Bericht des Spiegels schon bis Ende dieses Jahres gewinnen, obwohl das dafür notwendige Hochgeschwindigkeitsnetz bislang nur etwa die Hälfte aller deutschen Haushalte erreicht. Später soll daraus ein Geschäft mit Millionen Kunden werden.
„Harald Summa, Chef des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft eco www.eco.de, mag die neue, auch von anderen Anbietern geschürte ‚Euphorie nicht uneingeschränkt teilen’. Einige Experten sehen gar schon Parallelen zu dem Flop, den die Branche mit der milliardenteuren Mobilfunktechnik UMTS erlebte. Denn die meisten Fernsehzuschauer fühlen sich durch Kabel, Satellit oder Antenne offenbar ausreichend mit TV-Programmen versorgt“, schreibt der Spiegel.
Bislang waren weder die Video-on-Demand-Angebote im Internet noch die Versuche anderer Telefongesellschaften, IP-TV populär zu machen, besonders erfolgreich. „Das vom Angebot vergleichbare, aber deutlich günstigere Alice homeTV, das seit 2006 für die Hansenet-Kunden in elf Städten - darunter Berlin und Hamburg - zur Verfügung steht, haben bislang gerade einmal 13 000 Abonnenten gebucht“, berichtet der Spiegel.
Nach Ansicht von Bernhard Steimel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Beratungsfirma Mind Business Consultants www.mind-consult.net, ist es fraglich, woher die Einnahmen kommen sollen: „Nur ein Sechstel der Kabeldirektkunden können ihren Anschluss substituieren, die übrigen müssten die Abo-Gebühr für IP-TV zusätzlich bezahlen. Auch ist die Annahme riskant, dass wesentliche Einnahmequelle aus den Erlösen einer Pay TV-Gebühr kommen. In Deutschland sind die Barrieren für diesen Markt seit Jahren sehr hoch - die schwache Penetration bestätigt das“, sagt Steimel.
Es spricht einiges dafür, dass es keine schnelle Substitution gegenwärtiger TV-Empfangswege geben werde, sondern eine Koexistenz der alten und neuen TV-Welt: „Die Botschaft ‚Satellitenschüssel und TV-Kabel sind überflüssig’ erinnert an die Meldungen Anfang des Jahres 2000, wo öffentlich auf der CeBIT Telefonanlagen mit der Aussage zertrümmert wurden, dass es künftig nur noch IP-Telefonie geben wird. Sieben Jahre später werden noch immer ISDN-Telefonanlagen verkauft, wenngleich die IP-Kommunikation jetzt auch die notwendige Marktrelevanz hat. Ob die Telefongesellschaften den langen Atem haben und das richtige Marketing-Konzept für IPTV, bleibt daher abzuwarten“, so der Ausblick von Steimel.
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