Der 1. FC Köln hat mit einem 2:0 Sieg gegen Bayer Leverkusen Borussia Dortmund vorzeitig zum Meister gemacht hat. Im Nachgang streben jetzt Fans beider Vereine eine Fanfreundschaft der Clubs an. Aber hätte diese Freundschaft wirklich Zukunft?
Freundschaften werden oft geschlossen, wenn Menschen gut gelaunt, ja geradezu euphorisch sind. Die Frage ist dann immer nur, hat diese Freundschaft eine Zukunft, hält sie auch in weniger von Glückshormonen bestimmten Zeiten?
In dieser Woche, nach der Meisterschaft der Dortmunder und des Derbysieges der Kölner über Erzrivale Bayer 04 Leverkusen, kann man darüber kaum eine fundierte Aussage treffen.
Beide Fan-Lager sind sich derzeit aber so nahe wie lange nicht, und eine Facebook-Gruppe mit Namen “1. FC Köln & BVB 09 - Fanfreundschaft” lotet bereits die Möglichkeiten aus, wie man eine solche Fanfreundschaft fixieren kann. Die Gruppe hat mittlerweile bereits über 5000 Anhänger aus beiden Lagern gefunden, denen das gefällt.
Angefangen hatte alles mit dem Schlusspfiff im Kölner Stadion am vergangenen Samstag. Kurz darauf wurde von der Südtribüne im Dortmunder Stadion ein Loblied auf den “Meisterhelfer” 1. FC Köln angestimmt. Auch später hörte man immer wieder Worte des Dankes, oder man konnte 1. FC Köln Fan-Schals in der jubelnden Dortmunder Menge ausmachen.
Aber mal ehrlich, sind die Kölner denn wirklich froh, dass Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden ist? Ist man nicht eigentlich nur froh darüber, dass es eben Bayer 04 Leverkusen schon wieder einmal nicht geworden ist, und man auf Kölner Seite weiter schön den Vizekusen Spott gegen den rheinischen Nachbarn pflegen kann?
Unterhalb der Saison zum Beispiel hatten sich Köln und Dortmund hitzige und emotional aufgeladene Duelle geliefert. Man denke nur an die Differenzen im Hinspiel, als FC-Spieler Podolski den Dortmunder Sahin mit einer abfälligen Geste offenbar so aufputschte, dass der in der Nachspielzeit noch den Siegtreffer für Dortmund in Köln erzielte. Diesen entscheidenden Treffer feierte Sahin daraufhin mit einer provokanten Geste gegenüber Podolski.
Auch die ältere Bundesligahistorie wirft eigentlich dunkle Schatten auf eine mögliche Fanfreundschaft zwischen dem BVB und den Geißböcken. Man nehme zum Beispiel den Meisterschaftskampf der Saison 1977/1978 zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach.
Damals fuhr der 1. FC Köln als Tabellenführer am letzten Spieltag zum Tabellenletzten, zum FC St. Pauli. Man war zwar punktgleich mit Borussia Mönchengladbach, aber angesichts der leichten Aufgabe auf dem Papier und einem um 10 Tore besseren Torverhältnis gegenüber Gladbach, schien die Meisterschaft bereits in trockenen Tüchern.
Doch in Gladbach kam es zeitgleich zum legendären Zusammentreffen der beiden Borussias. Gladbach führte bereits zur Halbzeit mit 6:0 während Köln nur 1:0 führte und es machte den Anschein, als ob in Gladbach die Dortmunder eventuell mehr Sympathien mit einer Meister-Borussia hatten, als mit den Kölnern. In jedem Fall gewann Gladbach am Ende gegen Dortmund mit 12:0, was gleichzeitig bis heute auch der höchste Sieg der Bundesliga-Geschichte ist.
Natürlich war das Ganze damals nur Zufall und nicht beabsichtigt, die Gladbacher durch eine Nicht-Leistung noch zum Meister zu machen. Durch diese Ereignisse waren die Kölner traditionell den Dortmundern eigentlich nicht so wohlgesinnt.
Gut, Köln gewann am Ende damals dann auch noch 5:0 bei St. Pauli und konnte trotzdem die Meisterschaft feiern, aber ein fader Beigeschmack blieb bis in die Gegenwart.
Aus dieser Zeit stammt im Übrigen auch die einzig wahre Fanfreundschaft der Kölner mit dem FC St. Pauli.
Man darf gespannt sein, ob nach dem Abkühlen der aktuellen Emotionen, gerade auf Dortmunder Seite, wirklich ernsthaft eine Fanfreundschaft zwischen beiden entsteht - Man darf es aber auch bezweifeln.
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